Urheberrechtsschranken und -ausnahmen für Bibliotheken und Archive

English | Español | français

Urheberrechtsschranken und -ausnahmen sind für den Zugang zu Wissen und damit für menschliche und gesellschaftliche Entwicklung von grundlegender Bedeutung.

Warum tritt die IFLA in der WIPO für Urheberrechtsreform ein?

Urheberrechtsgesetze sollen einen Ausgleich zwischen dem öffentlichen Interesse am Zugang zu Informationen und den Rechten der Autorinnen und Autoren, der Kulturschaffenden und Verlage sicherstellen. In einigen Ländern enthalten Urheberrechtsgesetze Bestimmungen, die es Bibliotheken und Archive ermöglichen, den öffentlichen Zugang zum Wissen der Welt zu gewährleisten. In vielen Ländern gelten diese Ausnahmen aber lediglich für Ressourcen, die in herkömmlichen Formaten vorliegen. Veraltete Urheberrechtsgesetze hindern zunehmend Bibliotheken und Archive an der Ausübung ihrer grundlegenden Funktionen, einfach, weil Ressourcen jetzt digital sind. In einer Reihe von Ländern, insbesondere in Afrika und Lateinamerika, gibt es gar keine Ausnahmen zur Sicherung der Dienstleistungen von Bibliotheken und Archiven.

Während sich die Regelungen zugunsten der Inhaber von Urheberrechten durch verbindliche globale Abkommen weiterentwickelt haben, blieben die Regelungen, die Bibliotheken und Archiven den Zugang zu Informationen ermöglichen, quasi zementiert. Das Ergebnis ist ein defektes Urheberrechtssystem, das:

  • Ungleichheiten in der öffentlichen Verbreitung von Kenntnissen und Fähigkeiten vertieft
  • Permanente Lücken in historischen Aufzeichnungen erzeugt
  • Verhindert, das heute geschaffene Informationen für künftige Generationen verfügbar sind

Die IFLAist davon überzeugt, dass internationale Maßnahmen erforderlich sind, um sicherzustellen, dass wesentliche Bibliotheks- und Archivfunktionen weiterhin in der Urheberrechtsgesetzgebung geschützt werden.

Wie könnte ein internationales Rahmenwerk aussehen?

Die IFLA strebt ein internationales Rahmenwerk an, das - neben anderen wichtigen Bibliotheksangeboten - die bibliothekarische Ausleihe, Fernleihe und Dokumentenlieferung in Digital-und Printformen erleichtert; die Nutzung verwaister Werke ermöglicht; die Möglichkeit, eBooks von Verlagen zu erwerben, sicherstellt; Bibliotheksausnahmen vor eventueller Aufhebung durch Verträge schützt. Sie können den Vertragsvorschlag zu Urheberrechtsausnahmen und -schranken für Bibliotheken und Archive hier einsehen. Dieser Vorschlag wurde von Bibliotheks- und Archivfachleuten erstellt, um die Mitgliedstaaten des SCCR bei der Entwicklung modellhafter Urheberrechtsbestimmungen zu breaten führen. Er muss die Tätigkeit dieser Bereiche unterstützen.

In welcher Phase befinden sich die Verhandlungen?

Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Vertrages über die Gewährleistung des Zugang zu Werken für sehbehinderte Menschen (dem Marrakesch-Vertrag) im Juni 2013 , stehen die Ausnahmen und Schranken für Bibliotheken und Archive auf der Tagesordnung des SCCR. Dies ist eine wichtige Gelegenheit, um die Anliegen der Bibliotheken und Archive sichtbar zu machen und den Diskussionen in der SCCR zur Schaffung eines internationalen Instruments Schwung zu verleihen.  

Letzte Aktualisierung: 20 Oktober 2014