16 August 2015

From the Annual Conference

Eröffnungsrede der IFLA-Präsidentin Sinikka Sipilä

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Sinikka Sipilä

Sehr geehrter Minister für Kunst und Kultur, sehr geehrter stellvertretender Minister für Kunst und Kultur, verehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich freue mich sehr, Sie alle in Kapstadt (Südafrika) zum 'World Library and Information Congress:  IFLA’s 81st General Conference and Assembly' (WLIC) begrüßen zu dürfen.

Die Gelegenheit, sich erneut in Afrika zu treffen, ist für die IFLA eine große Freude. 1984 war Kenia der erste Gastgeber eines IFLA-Kongresses auf dem afrikanischen Kontinent. Der diesjährige IFLA-Kongress ist der zweite in Südafrika, der erste fand 2007 in Durban statt.

Für die Unterstützung der Konferenz und die Hilfestellung Ihres Ministeriums und Departments möchte ich mich im Namen der IFLA herzlich beim Minister für Kunst und Kultur und seinem Stellvertreter bedanken. Ich gratuliere Ihnen für Ihr Engagement, sich mit allen Ministern Afrikas über die bedeutende Rolle von Bibliotheken für die Gesellschaft und ihre Entwicklung auszutauschen. Am Freitag den 14. August fand ein Gipfeltreffen afrikanischer Minister statt, die für Bibliotheken zuständig sind, diese wichtigen Themen zu diskutieren. Die Konferenz war äußerst gewinnbringend.

Es bestehen viele Verbindungen zwischen Südafrika und der IFLA. Eine unserer ehemaligen IFLA-Präsidentinnen kommt aus Südafrika: Nach Kay Raseroka aus Botswana war Ellen Tise von 2009 bis 2011 die zweite afrikanische IFLA-Präsidentin. Seit 2007 befindet sich das IFLA-Regionalbüro für Afrika auf dem Gelände der University of South Africa (UNISA) in Pretoria. Diesen Frühling durfte ich UNISA und das IFLA-Büro besuchen. Ich war sehr beeindruckt von der dort geleisteten Arbeit, Bibliotheken zu fördern und die IFLA-Ziele auf dem Kontinent zu verbreiten. Zur Eröffnung der South African Library Week in Kapstadt, organisiert von LIASA (Library and Information Association of South Africa), wurde ich eingeladen teilzunehmen. Zudem haben sich südafrikanische Kollegen aktiv in IFLA-Komiteen und Kongresse eingebracht. Ich möchte mich herzlich bei der südafrikanischen Bibliotheksgemeinschaft für ihre kontinuierliche Unterstützung der IFLA bedanken.

Ebenso möchte ich mich ausdrücklich bei anderen afrikanischen Ländern und Kollegen bedanken, die in vielfältiger Weise zur Arbeit der IFLA beitragen und unseren Berufsstand in Afrika unterstützen. Es gibt zwei IFLA-Sprachzentren in Afrika, eines in Senegal für das frankophone Afrika, und eines in Ägypten für arabisch in der Bibliotheca Alexandrina. Botswana war eines der ersten Länder, das am Building Strong Library Associations Programm teilnahm. Afrika hat zwei Repräsentanten im neuen Governing Board: Ellen Namhila aus Namibia und Victoria Okoije aus Nigeria sowie weitere Vertreter in anderen IFLA-Gremien. Die African Library Summits und der African Public Library Summit wie auch AFLiA (African Library Associations and Institutions), die African Library Association und regionale Konferenzen wie SCECSAL (Standing Conference of Eastern, Central and Southern African Library and Information Associations) haben das Profil von Bibliotheken afrikaweit geschärft.

Eine meiner ersten Reisen als IFLA-Präsidentin 2013 ging nach Tansania und Namibia, wo ich an Konferenzen teilnahm, die sich mit dem Leitthema meiner Präsidentschaft, wie z.B. das Namibia Library Symposium, beschäftigten. Die Veröffentlichung der Konferenzschriften des Symposiums wird am morgigen Tag im Rahmen dieser Konferenz erfolgen.

Kapstadt, als Wiege des südafrikanischen Bibliothekswesens, ist ein idealer Veranstaltungsort für den IFLA-WLIC. Im Jahr 1818 wurde hier mit der South African Public Library die erste Bibliothek Südafrikas eröffnet. Darüber hinaus ist Kapstadt das beliebteste Ziel für Touristen aus aller Welt in Südafrika. Dies liegt am hervorragenden Klima, der landschaftlichen Schönheit und der gut entwickelten Infrastruktur. Ich bin mir sicher, dass viele von Ihnen die Möglichkeit ergreifen werden, die atembetraubende Natur und viele Sehenswürdigkeiten der 'Mother City and the legislative capital' zu genießen.

Die Entwicklung während der letzten 20 Jahre im neuen freien Südafrika geht einher mit bedeutenden Fortschritten im bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Bereich. Wie Ujala Satgoor, Vorsitzender des Nationalkomitees, sagt: “Vor dem geschichtlichen Hintergrund und der Bereitschaft zur Wiedergutmachung stellt sich der südafrikanische Bibliotheks- und Informationssektor auf, um sich neu zu definieren, erfinden und zu beleben.” Dies kann erfolgen, indem man Bibliotheken als Eckpfeiler von Demokratie sieht. Durch neue Dienstleistungen und Aus- und Weiterbildung im LIS-Bereich werden Bibliotheken als attraktive Lern- und Sozialräume verankert. Die Errungenschaften von Bibliotheken in den vergangenen zwanzig demokratischen Jahren können gefeiert werden, und die Aussichten für den südafrikanischen Bibliotheks- und Informationssektor sind wirklich spannend.

Wir können der südafrikanischen Bevölkerung für die friedliche Entwicklung ihres Landes nach der Apartheid gratulieren, ebenso wie für die vielfältigen gesellschaftlichen Fortschritte. Es war ein langer Weg zur Freiheit, der viele Opfer gefordert hat. Die Apartheidpolitik zwang viele Südafrikaner und Südafrikanerinnen, ihr Heimatland zu verlassen. Einige von ihnen verbrachten Jahre in einem Bildungszentrum für südafrikanische Flüchtlinge, dem SOMAFCO (Solomon Mahlangu Freedom College) in Tansania, welches vom African National Congress (ANC) gegründet wurde. Dies war seit den späten 1970ern ein Versuch, eine alternative, nicht nach Ethnien getrennte Gesellschaft im Exil zu etablieren.

Auch in SOMAFCO gab es eine Bibliothek, die Exilanten eine Chance zur Selbstbildung bot. Finnische Bibliothekare arbeiteten dort seit 1985. Ich war die letzte, bevor das Zentrum 1992 geschlossen wurde. Wir arbeiteten gemeinsam mit Südafrikanern und Südafrikanerinnen, die letzlich in Europa und Afrika eine Qualifikation im Bibliotheks- und Archivbereich erhielten, und nach ihrer Rückkehr an der University of the Western Cape studierten. Ich bin glücklich und stolz, dass einer dieser Bibliothekare, Mandla Ngubeni, gemeinsam mit uns am diesjährigen IFLA-Kongress teilnimmt. Nach dem Kongress werde ich viele südafrikanische Kolleginnen und Kollegen treffen, mit denen ich vor mehr als 20 Jahren in Tansania zusammengearbeitet habe.

Meine frühen Erfahrungen mit der Bibliotheks- und Informationswelt in Afrika -und später auch an anderen Orten- haben mich sowohl aus professioneller als auch aus persönlicher Sicht stark beeinflusst. Diese Erfahrungen haben mich für Unterschiede sensibilisiert, vor allem in Bezug auf Zugangsgrenzen zu Informationen in Entwicklungs- und Schwellenländer, aber auch in Industrieländern. Dies hatte ich im Hinterkopf, als ich meinen Leitspruch für die Präsidentschaft wählte.

Dieser lautet 'Starke Bibliotheken, starke Gesellschaften'. Ich habe ihn gewählt, weil ich wirklich fest daran glaube, dass Bibliotheken einen wichtigen Einfluss auf Gesellschaften ausüben, indem sie Chancengleichheit für alle und einen gleichberechtigten Zugang zu lebenslangen Lern- und Bildungsformen, Forschung und Innovation, Kultur und Erholung ermöglichen. Indem der Zugang zu Informationen erweitert wird, können Bibliotheken sich am Aufbau starker Gemeinschaften und Gesellschaften beteiligen.

Die IFLA spielt weltweit eine fundamentale Rolle bei der Förderung von Bibliotheken und Bibliotheksverbänden und ist die globale Stimme für das Bibliothekswesen. Sie entwickelt strategische Instrumente für den Aufbau von Bibliotheken, wie z.B. den IFLA-Trend Report, die Lyoner Erklärung oder das Building Strong Library Associations Programme.

Wie unser Gastland in seinem Willkommensbrief schreibt, ist das Thema der Konferenz 'Dynamic Libraries: Access, Development and Transformation' äußerst wichtig um Demokratiebestrebungen auf einem Kontinent zu stärken, wo sich Bibliotheken mit der Bevölkerung verbinden müssen. Dies geschieht, um den Wert hervorzuheben, den sie hinzufügen, um Armut, Analphabetismus, Arbeitslosigkeit und Ignoranz zu bekämpfen. Der besondere Fokus liegt auf frühkindlicher Entwicklung, Dienstleistungen für die Jugend, der Gesundheit von Frauen und lokaler Wirtschaftsentwicklung. Das Thema der Konferenz ist eng verknüpft mit meinem Leitspruch für die Präsidentschaft.

Eine Durchsicht des Konferenzprogramms zeigt, dass sich die IFLA Sektionen und Gruppen in Ihren Sitzungen dem Thema der Konferenz und meinem Leitspruch angenommen haben. Eine Sitzung, zu der ich Sie herzlich einladen möchte, ist die Präsidentschaftssitzung morgen früh von 9.30 bis 12.15 Uhr. Das Thema der Sitzung ist 'Strong Libraries, Strong Societies: Access, Development and Transformation'. Diese Session ist gekennzeichnet durch ausgezeichnete Redner, die uns ihre Sicht auf sich verändernde Rollen von Bildung, Wissenschaft, Kultur, Innovation und Bibliotheken im Aufbau und sich im Aufbau befindenden starken Gesellschaftsstrukturen zeigen.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich mir sicher bin, dass der 81. IFLA-Weltkongress eine Gelegenheit für Wissenserweiterung, Erfahrungsaustausch und Networking bietet. Es ist ein Ort des Austauschs und Teilens von Information, Einblicken und Reflektionen bezüglich der Art und Weise, wie dynamische Bibliotheken ein Forum sein sollen, um persönliche Kontakte zwischen Kollegen und Kolleginnen aus allen Teilen der Welt zu pflegen und zu vertiefen. Ich bin davon überzeugt, dass Ihr Aufenthalt in Kapstadt eine bereichernde Erfahrung ist und dass Sie mit neuen Ideen von inspirierenden Vorträgen, schönen Erinnerungen an Treffen und die legendäre südafrikanische Gastfreundschaft heimkehren werden.

Mit großer Freude erkläre ich die 81. IFLA-Konferenz hiermit als eröffnet.

Sinikka Sipilä
IFLA Präsidentin, 2013-2015

IFLA President