Congress theme: “Open access to knowledge - promoting sustainable progress”

Informelle Sitzung mit Henning Mankell

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Gestern haben etwa 70 Personen an einem informellen Vortrag mit Henning Mankell in der Universitätsbibliothek Göteborgs teilgenommen. Der Vortragsraum war gefüllt mit IFLA-Delegierten, die gespannt darauf warteten, ihn sprechen zu hören und Fragen zu stellen.   Die meisten Fragen drehten sich um die Themen Afrika, Bibliotheken und Politik.

Er sagte, dass er ein Geschichtenerzähler sei und das war er auch. Eine der Geschichten, die er erzählte, war die eines schwedischen Bibliothekars, der an eine afrikanische Bibliothek ging, um  zu helfen.  Er hörte ihnen zu und fand heraus, was sie brauchten. Sie brauchten keine Hilfe bei der Katalogisierung oder Organisation, weil die Probleme eher bei undichten Dächern und unzureichender Belichtung lagen. Er sagte, dass es einen Dialog geben sollte, nicht einen Monolog, gefüllt mit dem, was sie unserer Ansicht nach brauchen. Hier zeigte er an einem anschaulichen Beispiel, wie es so oft aussieht:  “Ich habe die Lösung! Welche Probleme habt ihr?”

In einer Geschichte, die ihn immer sehr bewegt hatte, ging es um ein Projekt mit Erinnerungsbüchern von  Kindern, deren Eltern an AIDS starben. Ihm wurde solch ein Buch von einem zehnjährigen Mädchen gezeigt. Es war nur ein zweimal gefaltetes Blatt Papier, das einen toten Schmetterling enthielt, aber die Aussage war unmissverständlich, es erinnerte sie an etwas, das ihre tote Mutter sehr mochte.

Während der Wirtschaftskrise sind oftmals Kinder und Kultur die Betroffenen, weil Kinder sich weder beschweren können noch wählen gehen und kulturelle Aufgaben oftmals als entbehrlich angesehen werden.  Er ergänzte, dass wir “den Politikern nicht nur klar machen müssen, dass sie uns unterstützen sollen, sondern noch viel mehr, warum sie uns unterstützen müssen”. Auf die Frage, wie man den Dialog mit Politikern angehen sollte, antwortete er, dass es wichtig ist, eine wirkungsvolle Sprache zu benutzen.

Als jemand nach Mankells Traumvorstellung von einer afrikanischen Bibliothek fragte, sagte er, dass die Bücher und die Menschen die Hauptrolle spielen. Stühle, Tische und Eiscrememaschinen seien nicht so wichtig. Das ist so, wie die Sache mit dem Dach und dem Licht: Ihr Bedarf an uns als Zuhörerschaft für ihre Probleme ist größer, als ihr Bedarf an dem, von dem wir denken, dass sie es brauchen.