Congress theme: “Libraries Now! - Inspiring, Surprising, Empowering”

Eine finnische Perspektive: Eye Tracking – Die Bibliothek als lebendiges Labor

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Eye-tracking

Vor einem Jahr wurde ein Poster von Kaisa Puttonen (Informationsspezialistin) und Satu Hyökki (Projektmanagerin) von der Laurea University of Applied Sciences, Finnland zum besten Poster der IFLA 2011 gekürt. Ich fragte Kaisa nach dem vergangenen Jahr und ihren weiteren Entwicklungen zum Thema des Posters.

Kaisa Puttonen

Kannst du kurz etwas zum Konzept eures Posters sagen?

Das Poster beschreibt eine Pilotstudie an der Bibliothek der Laurea University of Applied Sciences. In der Studie wurde eine Eye-Tracking-Methode angewandt, um etwas über den ersten Eindruck der Nutzer vom Bibliotheksraum zu erfahren; wie unsere Nutzer Schilder wahrnehmen und die Materialien unserer Sammlung finden. Eye Tracking ist eine Forschungsmethode, die die Bewegungen des Auges nachvollzieht.

In unserem Fall trugen die Probanden, die unser Gebäude noch nie besucht hatten, einen Helm, der mit einer Kamera und einem Mikrophon ausgestattet war. Es war sehr interessant, sich die Videos anzuschauen und zu sehen, was ihre Aufmerksamkeit erregte und was nicht – und dazu zu hören, was sie dachten! So fanden wir die besten Stellen für Hinweisschilder und bekamen Ideen, wie wir die Anordnung unserer Materialien verbessern können. Der Hauptaspekt der Pilotstudie war, dass Nutzer, Informationsspezialisten und Forscher alle miteinander interagieren und in diesem Prozess gemeinsam etwas schaffen.

Was hat sich im vergangenen Jahr verändert?

Wir haben auf der Grundlage unserer Studie konkrete Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt:

  • Wegweiser haben ein einheitliches Design erhalten und wurden umgestellt;
  • Die Klassifikationsschilder an den Regalen sind zahlreicher und farbkodiert;
  • Die Schilder für Wirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie, Tourismus und Sprachen haben unterschiedliche Farben.

Für manche Fächer haben wir auch thematische Einheiten gebildet, zum Beispiel befinden sich  Forschungsmethoden und Anleitungen zum Schreiben jetzt in einem Hilfe-Regal. Es ist leichter die Studierenden mit Abschlussarbeiten auf ein Regal zu verweisen.

Dieses Frühjahr boten wir unsere Studie als Resultat einer Kooperation mit einem Dozenten für Informations- und Kommunikationstechnologie noch einmal in einem Kurs zu nutzerzentrierter Forschung an. Die Studierenden hatten die Wahl zwischen verschiedenen Fällen und zwei Gruppen entschieden sich dafür, Eye Tracking in der Bibliothek zu testen. Es war toll, unsere Nutzer eine Nachfolgestudie machen zu lassen. Da ihre Studie genauso durchgeführt wurde wie die erste, erhielten wir Informationen über unsere Verbesserungen. Es war schön zu sehen, dass die Farbkodierung erfolgreich war und unsere Zeitschriften jetzt leicht gefunden werden! Natürlich kamen auch Dinge auf den Tisch, die verbessert werden müssen. So ist der Kreis jetzt vollständig: eine Pilotstudie, Ergebnisse, Entwicklung des Raums, eine Nachfolgestudie und schließlich Ergebnisse über die Entwicklung.

Du bist ein aktives Mitglied im Netzwerk Lernende Bibliotheken. Was möchtest du über dieses Netzwerk erreichen?

Ich habe festgestellt, dass es von größter Wichtigkeit ist, Nutzer von Anfang an einzubinden, wenn man Dienstleistungen entwickelt. Sie geben uns großartige Ideen, um das zu bieten, was von Bibliotheken heute und in Zukunft erwartet wird. Durch die Lernende Bibliothek möchte ich auf drei Punkte aufmerksam machen. Erstens die Zusammenarbeit mit Partnern aus anderen Bibliotheken und Bereichen außerhalb der Bibliothekswelt. Zweitens die Interaktion mit unseren Nutzern in der täglichen Arbeit. Und drittens das Teilen von Erfahrungen. Derzeit interagieren viele Bibliotheken mit ihren Nutzern und sammeln Erfahrungen. Wir sollten unsere Erfahrungen teilen, sowohl die guten als auch die schlechten, sodass wir als große Gemeinschaft von Bibliotheken voneinander lernen können.